(the) Secret Files of Captain Sissy #5
en / ca.a5 / $?? / Published by microcosmpublishing.com / 76 pages.
Die vierte, also ältere, Ausgabe der Secret Files of Captain Sissy habe ich mehrere Jahre über meinen alten Zine-Vertrieb vertrieben und ich kann ehrlich sagen, dass jene Ausgabe eines meiner Lieblingszines ist, weil Andy Cornell, der das Zine alleine herausgibt, es schafft, persönliche und politische Themen nicht nur isoliert voneinander zu behandeln, sondern aus beiden eine Synthese herzustellen. Auch wenn diese fünfte Ausgabe, die mittlerweile auch schon einige Jahre alt ist, vier Jahre bis zu ihrer Fertigstellung gebraucht hat, ist das Heft überhaupt nicht veraltet. Andy Cornell hat zwischen 2oo1 und 2oo5 viel erlebt und webt daraus spannende, ausführliche und gut strukturierte Geschichten, aus denen sich immer wieder herauslesen lässt, welch’ wichtige Rolle für Andy Selbstreflexion in politischen Prozessen spielt.
Neben einer längeren Story über die Folgen eines Skateunfalls, bei dem er einen partiellen Gedächtnisverlust erleidet und einer, der anhand eines Umzugs die letzten vier Jahre zusammenfasst, sind die anderen Inhalte des Zines eher politischer Natur, immer basierend auf persönlichen Erfahrungen:
Ein Artikel lässt die sechs Monate, die Andy als Praktikant und organizer bei den United Steelworkers of America, einer Gewerkschaft, zugebracht hat, Revue passieren. Ein anderer beschreibt vier Wochen, in denen Andy das projet mobilivre/bookmobile-project begleitet hat, einen Wohnwagen mit einer Ausstellung von Zines, Büchern und anderen unabhängigen Publikationen, aus dem heraus Vorträge und workshops gehalten werden. Unterhaltsam ist dann noch ein ironischer Artikel über den Great West Philadelphia Food Co-Op Strike of 2oo2, in dem neben einer witzigen Begebenheit auch Fragen von Konsens- und Entscheidungsfindung in kooperativen Projekten eine Rolle spielen.
Dazwischen gibt es immer wieder kurze Artikel, Satiren, nettes Artwork und als Abschluß kurze Rezensionen von “radical biographies.”
Mit etwas Glück gibt es bestimmt irgendwo noch ein Exemplar… lesenswert ist das Zine auf jeden Fall!
